Die Vögeli AG hat unter anderem die kreislauffähige Verpackung für ein kreislauffähiges Pyjama von Calida geliefert. Bild: Yvonne von Hunnius

Berner Pioniere gehen in Kreislaufwirtschaft voran

31. Mai 2021 11:56

Konolfingen BE - Berner Unternehmen wie Semadeni Plastics, Vögeli und Ypsomed gehören zu den Pionieren der Kreislaufwirtschaft. Doch vor allem KMU tun sich noch schwer damit, die Chancen der Zirkularität wahrzunehmen. Das zeigt eine Studie zur Kreislaufwirtschaft im Kanton Bern.

Bei einer Umfrage im Auftrag der Agentur für Innovationsberatung Reuter transferpilots.ch hat sich gezeigt, dass es in der Grossregion Espace-Mittelland einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Unternehmensgrösse und der Wahrscheinlichkeit für die Umsetzung zirkulärer Massnahmen gibt. Demnach scheint die Unternehmensgrösse „ein zentraler Treiber“ zu sein, heisst es in den statistischen Informationen, die die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich aus dieser Umfrage vom Frühjahr/Sommer 2020 gewonnen hat. An der Erhebung war auch die Berner Fachhochschule beteiligt.

Die jetzt vorgelegte Studie „Kreislaufwirtschaft. Innovationen der Berner Wirtschaft im europäischen Kontext. 2021“ analysiert mit dem Kanton Bern erstmalig, wie es um die unternehmerische Umsetzung von Innovationsvorhaben der Kreislaufwirtschaft in einem Schweizer Kanton steht. Dabei wollten die Autoren dokumentieren, welche Voraussetzungen gegeben oder geschaffen werden müssen, damit zirkuläre Geschäftsmodelle erfolgreich umgesetzt werden können. Neben den statistischen Daten der KOF beinhaltet diese Studie auch ausführliche Interviews mit Führungspersönlichkeiten von Unternehmen. Dabei werde deutlich, dass es um weitaus mehr gehe als um technologische Neuerungen, heisst es in einer Mitteilung von Reuter transferpilots.ch.

Die Studie dokumentiert die Pionierleistungen einiger Berner Unternehmen in Sachen Kreislaufwirtschaft. So war die Vögeli AG 2019 die weltweit erste Druckerei, die den Cradle to Cradle Goldstandard erreicht hat. Der Cradle to Cradle-Bereich wachse rasch und mache schon 30 Prozent des Umsatzes aus. Die Semadeni Plastics Group in Ostermundigen ist frühzeitig in biobasierte Kunststoffe eingestiegen. Das Unternehmen setzt dabei auf die Wiederverwertung von Wert- und Abfallströmen, die nicht für die Ernährung benutzt werden können. Das Pharmaunternehmen Ypsomed in Burgdorf setzt bei seinen Selbstinjektionssystemen ebenfalls auf Bio-Polymere. Sein YposMate Zero ist der erste CO2-neutrale Autoinjektor.

Die Studie stellt fest, dass KMU bei der Umsetzung zirkulärer Wertschöpfungsprozesse „vor deutlich grössere Herausforderungen“ gestellt seien als Grossunternehmen. Sie seien häufig nicht in der Lage, entsprechende Innovationen aus eigener Kraft anzustossen. Hier könnten lokale und regionale Unterstützung und Förderung einen wesentlichen Beitrag leisten. Zudem falle auf, dass traditionelle Dienstleister und der Bausektor Vorreiter der Zirkularität seien. Moderne Dienstleister verhielten sich „auch dort, wo sie Gestaltungsspielraum hätten“, auffällig zurückhaltend.

Am 2. Juni gibt der Vorsteher des Amts für Wirtschaft des Kantons Bern, Dr. Sebastian Friess, beim einstündigen Punkt4.zukunftsgespräch Einblick in die Chancen und Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft in seinem Kanton. Interessierte können sich um 16 Uhr per Zoom-Link dazuschalten. Veranstalter ist das Netzwerk Next Generations. mm